Wenn der Abschied für immer ist

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Kategorie: Adeba Magazin
Dieser Artikel wurde eingestellt von: jb
Erstellung am: 23. November 2009 07:00 - 9288 Hits

trauer_engel

Abschied nehmen ist nicht einfach und so rollen dabei oft Tränen. Doch besonders schlimm ist es, wenn der Abschied für immer ist. Und Abschied für immer müssen auch schon Kinder nehmen. Denn bereits Kinder begegnen dem Tod. Da stirbt das geliebte Haustier oder die nette ältere Damevon von nebenan  oder  der Tod trifft einen Menschen in ganz unmittelbarer Nähe des Kindes: ein Elternteil, Oma, Opa, ein Geschwisterkind oder ein guter Freund.

Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de

Der Tod ist ein Tabuthema und selbst wenn er so unmittelbar in unser Leben tritt – dann möchten wir ihn gern verdrängen. Gespräche über Abschied, Trauer, über Sterben und den Tod bereiten den meisten von uns Probleme. Mit einem Kind über diese Themen zu sprechen fällt vielen schwer. Wenn Kinder trauern, fühlen sich Erwachsene besonders hilflos. 

Wie trauern Kinder 

Es ist ein Irrtum zu denken, das Kind muss nur abgelenkt werden, wird dann schnell vergessen und die Trauer lässt sich zur Not dem Kind auch ausreden. Das stimmt so überhaupt nicht. Kinder trauern, aber sie trauern anders als Erwachsene. 
Kindliche Trauer ist oft sprunghaft und lässt sich nicht „steuern“, das heißt, ein Kind weint nicht dann, wenn es von ihm „erwartet“ wird – ein Kind weint, wenn es weinen will bzw. muss. 
Zu beobachten ist auch: 
  • ganz plötzlicher Wechsel von Traurigkeit zu Spiel und Spaß, 
  • Schlafstörungen, 
  • Alpträume 
  • Trennungsängste
  • Vorwürfe gegen sich und andere
  • Schuldgefühle etc.
Es trauert auch jedes Kind anders und so geht auch jedes Kind erstmal anders mit der Nachricht über den Tod um. Dennoch muss die Nachricht vom Tod eines nahe stehenden Menschen dem Kind schrittweise vermittelt werden. Dabei ist es wichtig, dass Du kindgerecht, aber ehrlich sagst, dass die Person gestorben ist und, dass der Tod etwas Endgültiges ist. Das vielleicht liebt gemeinte Formulieren als „er ist weggegangen“, „wohnt jetzt woanders“ bzw. „schläft“ ist für das Kind überhaupt keine Hilfe, sondern kann unter Umständen zu neuen Ängsten und Problemen führen. 
Wichtig ist, erlaube Deinem Kind so zu reagieren wie es will bzw. es tut. Jede Reaktion ist okay. Ein Kind weint, eines lenkt vom Thema ab und ein anderes sagt gar nichts. Doch auch ein Kind braucht Zeit, das Gehörte zu verarbeiten. Oft kommen mit der Zeit dann Fragen vom Kind – auch dann ist es wichtig,dass Du ehrliche Antworten gibst. 

Was das Kind wissen möchte bzw. überhaupt schon verstehen kann, hängt ganz klar vom Alter ab. Besonders ältere Kinder wollen es meist genau wissen. Dabei ist wichtig, dass Du dem Kind zuhörst und Fragen nicht ausweicht.

Für gläubige Menschen ist das ein Moment, wo dem Kind auch vom Glauben an Gott und damit an Auferstehung und das ewige Leben bei Gott und die Hoffnung, dass die Toten jetzt bei Gott sind, erzählt wird. 

Abschied nehmen

Kinder sollten, soweit möglich, bei der Beerdigung des geliebten Menschen dabei sein dürfen. Es hilft ihnen oft beim Abschied nehmen bzw. mit der eigenen Trauer umzugehen, wenn sie sehen, dass andere Menschen traurig sind und weinen. Will Dein Kind aber absolut nicht zur Beerdigung, dann dränge es nicht. Kommt Dein Kind zur Beerdigung mit, dann bereite es auf  jeden Fall vor und erzähle ihm, was auf der Beerdigung passieren wird. Wichtig ist, dass das Kind jederzeit die Möglichkeit haben muss „zu gehen“. Dafür sollte es eine Person geben, die sich dann um das Kind kümmert. 
Für Kinder sind Rituale eine große Hilfe. So erleichtern Rituale auch das Abschied nehmen. So kann Dein Kind z.B. ein selbst gemaltes Bild oder ein Kuscheltier bzw. einen Blumenstrauß bei der Beerdigung mit ins Grab werfen. 
Es ist wichtig, mit dem Nachwuchs über seine Trauer, seine Angst eventuelle auch seine Wut zu sprechen. Wenn Dein Kind aber nicht reden kann bzw. nicht reden will, dann zwinge es nicht dazu. Für Kinder ist ihr Verhalten das wichtigste Kommunikationsmittel. So drücken sie ihre Gefühle und Gedanken oft im Spiel aus. Gib Deinem Kind Möglichkeit sich und seine Trauer je nach Befinden und Wunsch auszudrücken, entweder durch freies Spielen oder z.B. Malen.

In der Trauerzeit braucht das Kind noch mehr Geduld, Liebe, Aufmerksamkeit und Verständnis. Erinnerungen an die verstorbene Person sollten sie bewahren. 

Einem Kinder beim Trauern zu helfen ist nicht einfach. Besonders schwer ist es dann, wenn Du selber trauerst und bemüht bist, Deine eigene Trauer in den Griff zu bekommen. Wenn Du bzw Dein Kind nicht mit der Trauerarbeit zurechtkommt – dann hole Hilfe. Hilfe für trauernde Kinder bieten so genannten Kindertrauergruppen. Dort wird immer wieder ganz behutsam und unter Leitung von  Experten das Thema Trauer, aber auch  die vielen verschiedenen Gefühle, die damit zusammenhängen, angesprochen. In Gesprächen, auch aber durch kreative Dinge wie Malen, Schreiben, Rollenspiele etc.  werden Kinder in der Trauer begleitet. Dort bekommen auch Eltern Tipps, wie sie ihrem Kind beim Trauern helfen können. Kindertrauergruppen werden zum Beispiel von Kinderhospizen angeboten. 

Je nach Alter haben Kinder auch ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Tod. Hier einige Informationen dazu und wie Du damit umgehen kannst. 

Säuglinge bis zum Alter von ca. einem Jahr 

In dem Alter erfährt das Kind den Verlust vor allem durch die traurige Stimmung und die Gefühle der Eltern. 
Wichtig ist, dass das Baby ansonsten Stabilität erlebt, das heißt sowohl andere Bezugspersonen, wie auch Tagesrhythmus und Umgebung sollten so stabil wie möglich sein. Das körperliche Wohl des Kindes muss im Vordergrund stehen und es sollte ihm soviel Aufmerksamkeit wie möglich geschenkt werden. 

Kind von 1 – 2 ½ Jahren 

Die Nachricht vom Tod kann Kindern in dem Alter kaum sprachlich vermittelt werden, denn Kinder sind noch nicht in der Lage den Begriff Tod zu verstehen. Allerdings besteht in dem Alter eine recht große Verlustangst. Tod sein wird oft als Analogie zum Schlafen, Trennung (auf Zeit) und Reisen empfunden. Die Redewendung „Er schläft nur .../Er ist entschlafen.“ kann bei Kinder deshalb Ängste vor dem Einschlafen auslösen. 
Einfachen Sätze wie „Mama ist nicht mehr da!“ bzw. „Papa ist fort“, die immer wiederholt werden, können dem Kind helfen, zu verstehen, dass ein Verlust passiert ist. Das Kind braucht viel Aufmerksamkeit und Zuwendung. 

Vorschulkinder 3 bis 6 Jahre

Kinder in dem Alter kennen das Wort „tot“, allerdings können sie die Endgültigkeit des Todes noch nicht erfassen. So zeigen Kinder das z.B. beim Spielen „Du bist jetzt schnell tot und dann aber gleich wieder lebendig.“ oder mit dem Ausspruch „Du sollst tot sein“ meinen sie vielmehr ein „Du sollst verschwinden!“. 
Du kannst Deinem Kind erklären, dass der Körper des Verstorbenen aufgehört hat zu funktionieren. Bei einer langen, unheilbaren Krankheit kannst Du Dein Kind auf den Tod vorbereiten und Abschied und Sterben thematisieren.  Bleib geduldig und gibt Deinem Kind die benötigte Zeit sich mit dem Gefühl der Trauer auseinander zusetzen.
Lass Dein Kind nicht außen vor, sondern beziehe es in möglichst viele Vorgänge in der Familie mit ein.
Mach Deinem Kind deutlich, dass es nicht schuld am Tod ist und hilf Deinem Kind bei der Auswahl eines Andenkens z.B ein Photo am Bett etc.

Grundschulkinder 6 bis 9

Die Kinder lernen zwischen beliebt und unbelebter Umwelt zu unterscheiden und sie beginnen langsam den Tod als etwas Endgültiges zu erfassen. Es kommt auch die Vorstellung vor, dass der Verstorbene wieder zurückkommt. Obwohl sie Interesse am Tod bzw. den Äußerlichkeiten des Todes zeigen, verstehen sie nicht alles und können so Ängste entwickeln. 
Erkläre Deinem Kind, warum die Person gestorben ist. Achte dabei auf die Reaktion des Kindes, welche Gefühle es zeigt und geh darauf ein. Nimm Dir die Zeit, Deinem Kind zuzuhören und ermutige es, über Ängste und Sorgen zu sprechen.
So gut wie möglich, versuche dem Kind das Gefühl von dauerhafter und verlässlicher Sicherheit zu geben.

Weiterführender Link:
  Bücher zum Thema


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