Ursachen der Lese-Rechtschreib-Störung auf der Spur

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Kategorie: Gesundheit
Dieser Artikel wurde eingestellt von: Stefan Fritsche
Erstellung am: 20. January 2006 13:37 - 9829 Hits

(pgk) Schreiben- und Lesenlernen müssen alle Kinder. Doch für viele bleibt die Welt der Buchstaben trotz aller Bemühungen ein Labyrinth, in dem alles durcheinander geht. Jetzt wollen Forscher den neurologischen Ursachen der Legasthenie oder auch Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) auf den Grund gehen.

Schätzungen zufolge haben rund fünf Prozent der Kinder eines Jahrgangs mit einer Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) zu kämpfen. Da die Probleme häufig über die Schulzeit hinaus bestehen, schätzen Experten, dass in Deutschland insgesamt drei bis vier Millionen Menschen an Lese-Rechtschreib-Schwäche leiden. Menschen mit LRS sind nicht weniger intelligent als andere. Trotzdem werden sie mangels Förderung nicht nur in der Schule, sondern auch im späteren Berufsleben oft benachteiligt.

Treten Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens auf, kann das viele Gründe haben. Im Einzelfall ist eine sorgfältige Prüfung zahlreicher Faktoren aus dem Umfeld des betroffenen Kindes erforderlich. Ereignisse im schulischen Umfeld wie Lehrerwechsel, Umstellung in der Lehrmethode oder im familiären Umfeld, zum Beispiel Scheidung, Streit in der Familie, könnten Ursache für Lese- und Schreib-Probleme sein. Ganz wesentlich ist es auszuschließen, dass beim betroffenen Kind eine generelle Minderbegabung vorliegt oder physische Beeinträchtigungen gegeben sind wie beispielsweise Schwerhörigkeit oder Sehschwäche. Häufig kommen mehrere ganz individuelle Faktoren als Ursachenbündel zusammen.

Die Ursachen für die Lese-Rechtschreib-Schwäche sind vielfältig. Das zentrale Problem von Kindern mit LRS: Ihnen gelingt die exakte Zuordnung von Buchstaben und Lauten nicht richtig. Sie lassen Buchstaben oder Wörter aus, fügen andere hinzu oder vertauschen ähnlich klingende Buchstaben und lesen oder schreiben langsamer.

Doch wie die Störung genau entsteht und welche Ursachen der LRS zugrunde liegen, ist für die Wissenschaft nach wie vor offen. Bei vielen Betroffenen gibt es wohl eine genetische Veranlagung für die LRS. Das heißt, das Risiko für LRS kann vererbt werden. Die neurobiologische Forschung hat gezeigt, dass oft Teilleistungsstörungen des Gehirns für die Probleme verantwortlich sind. Grundlegende Verarbeitungsprozesse, die an der Differenzierung und Verarbeitung von Sprachklängen – phonologische Bewusstheit – beteiligt sind, erfolgen eingeschränkt oder fehlerhaft. Einige Studien berichten auch immer wieder, dass die neuronale Verarbeitung optischer oder akustischer Reize gestört ist und es somit in der Konsequenz zu den Lese- und Rechtschreibproblemen kommen soll.

Eine Studie am Universitätsklinikum Jena (UKJ) vergleicht jetzt erstmals die derzeit aussagekräftigsten Ursachenmodelle auf neurobiologischer Basis. Die Forscherinnen Carolin Ligges und Mireille Trautmann wollen die Modelle – phonologisch, auditiv und visuell – hinsichtlich ihrer Plausibilität mit den Mitteln der Neurobiologie vergleichen. „Dazu werden wir untersuchen, welche Gehirnaktivitäten in bestimmten Situationen bei Kindern mit und ohne Lese-Rechtschreib-Störung zu beobachten sind", so Trautmann. Den verschiedenen kognitiven Verarbeitungsprozessen, auf die sich die drei Ursachenmodellen beziehen, lassen sich jeweils bestimmte Gehirnregionen zuordnen.

Mit Hilfe der funktionalen Magnet-Resonanz-Tomographie und des EEG wollen die Forscherinnen prüfen, welche Hirnregionen bei der Lösung von Sprach-, Ton- und Musteraufgaben bei Kindern mit LRS anders aktiviert werden als bei Kindern ohne LRS. Anhand dieser Verarbeitungsdefizite sollen Rückschlüsse gezogen werden, in welchem Bereich die Ursachen für eine Störung liegen. Ligges und Trautmann hoffen damit auf wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung von Therapieverfahren.

Für die Studie werden die beiden Wissenschaftlerinnen 50 Kinder im Alter von 11 bis 12 Jahren mit LRS und 50 mit einer normalen Lese-Schreib-Fähigkeit untersuchen.

Ansprechpartner:

Dr. Carolin Ligges,
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/935476
E-Mail: carolin.ligges@med.uni-jena.de


Dipl.-Psych. Mireille Trautmann
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/935476
E-Mail: mireille.trautmann@med.uni-jena.de


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