Vitamintherapie: Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall?

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Kategorie: Gesundheit
Dieser Artikel wurde eingestellt von: Stefan Fritsche
Erstellung am: 10. January 2006 13:37 - 12706 Hits

Quelle:
Stroke, 2005; 36: 2404-2409

(DGK) Wenn zuviel Homocystein im Blut ist, kann sich für die betroffenen Menschen die Gefahr einer lebensbedrohlichen Herzkreislauferkran-kung um das Neunfache erhöhen. Das ist unbestritten. Ob man dieses Risiko mit der zusätzlichen Gabe bestimmter Vitamine senken kann, wurde allerdings im letzten Jahr unter Fachleuten kontrovers disku-tiert. Eine neue Studie zeigt nun aber, dass eine konsequente und hochdosierte Vitamintherapie doch einen guten Schutz vor Schlagan-fall und Herzinfarkt bieten kann.
Eigentlich ist Homocystein ein körpereigener Stoff. Er entsteht als Zwi-schenprodukt im menschlichen Stoffwechsel, ist aber für die Körperzellen extrem giftig und muss deshalb rasch wieder abgebaut oder in weniger gefährliche Substanzen umgewandelt werden. Zuständig für die schnelle und reibungslose Entfernung des Homocysteins sind drei Vitamine: Folsäu-re, Vitamin B12 und Vitamin B6.

Ein dauerhafter Mangel an Folsäure sowie den beiden anderen Vitaminen bleibt daher nicht folgenlos. Das Homocystein wird nicht mehr vollständig eliminiert, sein Gehalt im Blut steigt an, die Wände der Blutgefäße werden angegriffen, das Blut gerinnt leichter, es können sich Ablagerungen bilden, die den Blutfluss behindern. Man spricht dann von Arterienverkalkung oder Arteriosklerose. Es liegt nahe, dass eine verbesserte Vitaminversorgung das Problem beseitigen könnte.

Ob Menschen, die bereits einen Schlaganfall erlitten hatten, durch eine Vitaminbehandlung vor einem Rückfall bewahrt werden können, sollte des-halb in einer großen Studie in den USA geprüft werden. Das Resultat je-doch enttäuschte die hohen Erwartungen, es konnte kein positiver Effekt der Vitamingabe nachgewiesen werden.

Inzwischen haben die Wissenschaftler ihre Studiendaten aber noch einmal einer kritischen Analyse unterzogen und dabei einige Fehlerquellen ent-deckt. So war in der Untersuchung nicht berücksichtigt worden, dass dem Mehl in den USA und Kanada bereits seit 1996 standardmäßig Folsäure zugesetzt wird. Niedrige Folsäure-Werte sind in der dortigen Bevölkerung und somit auch in der unbehandelten Kontrollgruppe nur noch selten anzu-treffen. Ein sinnvoller Vergleich mit den behandelten Patienten war also kaum möglich. Nicht gut genug kontrolliert worden waren auch die Vitamin-B12-Werte der Patienten. Schaltet man diese Fehlerquellen aus, fallen die Ergebnisse deutlich günstiger für die Vitamintherapie aus. Das Risiko für Schlaganfall und andere Herzkreislauferkrankungen verringerte sich um mehr als 20 Prozent.


Schätzungen gehen davon aus, dass bei zirka fünf bis zehn Prozent der deutschen Bevölkerung der Homocysteinspiegel den Grenzwert von 10 Mikromol pro Liter überschreitet. Um herauszufinden, ob man selbst zu dieser Risikogruppe gehört, sollte jeder ab 50 beim Arzt eine Homocystein-bestimmung vornehmen lassen, denn etwa ab diesem Alter steigt das Ho-mocystein an. Benötigt wird nur eine kleine Blutprobe. Je nachdem, wie das Ergebnis ausfällt, wird der Arzt entweder Entwarnung geben oder Tabletten empfehlen, die eine Kombination der Vitamine Folsäure, B12 und B6 ent-halten. Menschen, bei denen schon Gefäßprobleme bekannt sind, wird der Arzt wahrscheinlich zu einer Intensivtherapie mit Vitaminspritzen raten, weil so das Homocystein möglichst zügig wieder auf unbedenkliche Mengen verringert werden kann.


In den USA und Kanada wird dem Mehl bereits seit 1996 standardmäßig Folsäure zugesetzt. (Foto: DGK)


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