Schleimlöser können auch bei chronischen Lungenerkrankungen helfen

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Kategorie: Gesundheit
Dieser Artikel wurde eingestellt von: Kerstin Tesch
Erstellung am: 21. March 2006 13:37 - 13340 Hits

(dgk) Ihren vollständigen Namen kennt kaum jemand, doch fast jeder hat sie schon einmal während einer Erkältung oder einer Grippe verwendet: Schleimlöser mit dem Wirkstoff N-Acetylcystein. Seit mehr als 40 Jahren wird N-Acetylcystein, meist in Form von Brausetabletten oder Säften eingesetzt, um den Schleim in der Lunge der Patienten zu verflüssigen und so das Abhusten zu erleichtern. Doch N-Acetylcystein kann offenbar noch weit mehr. Neuere Studien zeigen, dass es auch Patienten mit schweren chronischen Lungenerkrankungen wirkungsvoll hilft.

Die so genannte idiopathische Lungenfibrose (IPF) ist zwar eine sehr seltene, jedoch sehr schwere Krankheit. Ein Großteil der Patienten ist über 50 Jahre alt, Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa drei Jahren. Bei der IPF handelt es sich um eine chronische Entzündungsreaktion der Lunge. Im Verlauf der Erkrankung wird das Lungengerüst umgeformt, wobei in unterschiedlichem Ausmaß Verdichtungen und Schrumpfungen festgestellt werden (sog. Fibrose). Diese Veränderungen führen zu Einschränkungen der lebensnotwendigen Gasaustauschfläche. Die Folgen sind unter anderem Atemstörungen, Atemnot sowie typische, durch den Arzt erfassbare Geräusche beim Einatmen.

Die bisherige medikamentöse Behandlung der Lungenfibrose ist nur wenig wirksam oder nicht durch fundierte Studien überprüft. Vor einigen Jahren hat man allerdings entdeckt, dass in den Lungen der IPF-Patienten vermehrt gefährliche Oxidanzien gebildet werden. Diese aggressiven Sauerstoffmoleküle fördern sowohl Entzündungsreaktionen als auch den Umbau des Lungengewebes.

Die körpereigene Substanz Glutathion ist einer der stärksten Gegenspieler von Oxidanzien. N-Acetylcystein kann genauso wie die natürliche Aminosäure Cystein als Baustein für die Bildung von Glutathion verwendet werden. Schon vor mehreren Jahren konnte gezeigt werden, dass N-Acetylcystein, in hoher Dosis gegeben, in der Lage ist, die Glutathion-Synthese bei IPF-Patienten zu steigern. Im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ wurden nun die Ergebnisse einer großen internationalen Studie veröffentlicht, bei der das N-Acetylcystein-haltige Originalpräparat Fluimucil® an 155 Lungenfibrose-Patienten getestet wurde (IFIGENIA-Studie). Die Versuchpersonen erhielten während eines Jahres täglich 1,8 Gramm Fluimucil zusätzlich zu weiteren Medikamenten. Dies entspricht etwa der dreifachen Menge, die bei normalen Erkältungen eingesetzt wird. Bereits nach sechs Monaten verbesserten sich die Lungenfunktionen der Patienten, die das Medikament erhalten hatten, deutlich im Vergleich zu Patienten einer Kontrollgruppe die ein Scheinmedikament bekamen. Die gewählte hohe Dosis, die von den Behörden nicht zugelassen ist, wurde gleich gut vertragen wie das Scheinmedikament. Aufgrund dieser bemerkenswerten Ergebnisse des verwendeten Antioxidans empfehlen die beteiligten Lungenfachärzte in Deutschland und anderen europäischen Ländern Fluimucil als sinnvolle Zusatztherapie bei Lungenfibrose.

Ein Ungleichgewicht zwischen Oxidanzien und Antioxidanzien spielt auch eine entscheidende Rolle bei anderen Lungenkrankheiten wie der Mukoviszidose und der wesentlich häufigeren chronisch-obstruktiven Bronchitis (COPD), von der hauptsächlich langjährige Raucher heimgesucht werden. N-Acetylcystein-Präparate werden hier zwar schon seit einigen Jahren eingesetzt, allerdings in geringeren Dosierungen als in der IFIGENIA-Studie. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob auch bei diesen Lungenkrankheiten eine Dosiserhöhung die Wirksamkeit noch steigern kann.


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