„Nur eine Halbe?“

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Kategorie: Gesundheit
Dieser Artikel wurde eingestellt von: Kerstin Tesch
Erstellung am: 23. March 2006 13:37 - 10528 Hits

(dgk) Mancher hat Probleme, eine komplette Tablette zu schlucken. Oder das Medikament wird nicht in der erforderlichen niedrigeren Stärke angeboten. Dies können Gründe sein, eine Tablette zu teilen. Aber gerade dabei werden häufig Fehler gemacht. Ein Medikament kann nur dann richtig wirken, wenn es auch vorschriftsmäßig angewendet wird.

Darf überhaupt geteilt werden?
Bei den festen Arzneiformen gibt es verschiedene Typen. Kapseln oder Dragees können grundsätzlich nicht geteilt werden. Aber auch bei Tabletten gibt es Varianten, die auf Grund ihres Aufbaus keinesfalls manipuliert werden dürfen. So werden beispielsweise manche Tabletten mit einem Film überzogen, damit sich diese nicht bereits im Magen, sondern erst im Dünndarm auflösen. Oder der Wirkstoff soll dadurch nicht sofort vollständig, sondern allmählich über einen längeren Zeitraum frei gesetzt werden (so genanntes Retardprinzip). Die schützende Schicht würde beim Teilen zerstört. Selbst wenn eine Rille vorhanden ist, heißt dies nicht unbedingt, dass geteilt werden darf, es sei denn, dass in der Gebrauchsinformation ausdrücklich darauf hingewiesen wird.

Problem der Dosiergenauigkeit
Fehlt eine Bruchkerbe, ist der Wirkstoff möglicherweise nicht einheitlich in der Tablette verteilt. Aber auch, wenn diese vorhanden ist, gelingt das Teilen nicht immer in zwei genau gleiche Hälften. Die Bruchstücke enthalten dann eine unterschiedliche Wirkstoffmenge, was bei einem stark wirkendem Medikament gefährlich werden könnte. Zerbröselt die Tablette beim Teilen, geht die Wirkung teilweise verloren.

Wann die Teilung vornehmen?
Tabletten teilen Sie am besten erst direkt vor dem Gebrauch und nicht auf Vorrat. Die verbliebene Tablettenhälfte sollte gut verwahrt und zum nächsten Einnahmezeitpunkt eingenommen werden. Umwelteinflüsse wie zum Beispiel die Luftfeuchtigkeit könnten das Medikament bei längerer Lagerung beeinträchtigen.

Tipps zum manuellen Teilen
Leider finden sich in den Gebrauchsinformationen nicht immer Angaben, auf welche Art und Weise das entsprechende Präparat am besten geteilt werden kann. Dazu können verschiedene Methoden angewendet werden, wie der Apotheker Dr. Wolfgang Kircher in seinem Fachbuch „Arzneiformen richtig anwenden“ beschreibt:

Ein Weg ist, die Tablette rein manuell zu brechen. Dazu fassen Sie die Tablette je zur Hälfte rechts und links neben der Bruchkerbe zwischen Daumen und Zeigefinger beider Hände an. Entweder liegt die Tablette dabei auf dem Zeigefinger auf (Methode 1) oder die Tablette wird (Methode 2) zwischen die Fingerspitzen genommen. Üben Sie nun eine kräftige Biegespannung aus, bis die Tablette durchbricht.

Eine andere Möglichkeit ist, die Tablette auf einen ebenen, festen Untergrund, zum Beispiel eine harte Tischplatte zu legen. Drücken Sie mit dem Daumen oder Zeigefinger von oben fest auf die Tablette, bis diese in zwei Teile zerspringt. Ob die Teilungskerbe dabei nun besser nach oben (Methode 3) oder nach unten (Methode 4) zeigen sollte, hängt von Ausprägung und Form der Tablette ab. Wie herum, sollten Sie also im Einzelfall selbst ausprobieren. Grundsätzlich ist es vorteilhafter, wenn Sie beim Teilen gleich die maximale Kraft einsetzen, als den Druck langsam zu steigern. Große Tabletten mit tiefer Kerbe lassen sich relativ gut teilen. Je kleiner eine Tablette ist, umso schwieriger ist das Teilen.

Tipps zum Umgang mit dem Tablettenteiler

Wenn Ihre Hände nicht mehr so beweglich sein sollten, können Sie sich mit einem Tablettenteiler helfen. Allerdings müssen Sie dabei immer darauf achten, dass die Tablette nicht in Richtung der Rille, sondern quer dazu im Winkel von 90 Grad zerteilt wird. Völlig ungeeignet ist die häufig genutzte Küchenmesser-Methode, bei der oft eine Tablettenhälfte wegfliegt. Haben Sie Fragen, sollten Sie im Einzelfall in Ihrer Apotheke Rat suchen.


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