Gebärmutterhalskrebs kann jede treffen

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Kategorie: Gesundheit
Dieser Artikel wurde eingestellt von: Denis Lichtner
Erstellung am: 01. September 2006 13:37 - 9091 Hits

Quelle:
DEUTSCHES GRÜNES KREUZ e.V.

(dgk) In Deutschland werden laut Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister und dem Robert Koch-Institut (RKI) etwa 6.500 neue Fälle von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) im Jahr diagnostiziert. Im Jahre 2004 starben in Deutschland laut Statistischem Bundesamt

1.660 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, weltweit fallen der Krebserkrankung

250.000 Frauen zum Opfer.

Trotz der jüngsten medizinischen Fortschritte und verbesserter Krebsvorsorgeuntersuchungen ist das Zervixkarzinom in Europa immer noch die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache (nach Brustkrebs) bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. Der Tumor wird in fast 100 Prozent der Fälle von Viren ausgelöst, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, den Humanen Papillomaviren (HPV). Das haben deutsche Ärzte am Heidelberger Krebsforschungszentrum bereits in den 70er-Jahren herausgefunden. Viele sexuell aktiven Frauen tragen das Virus in sich, was bei einigen zu gutartigen Veränderungen führt, die spontan wieder heilen – nur bei den wenigsten entsteht über lange Zeit eine krebsartige Veränderung.


Nach bisheriger Erkenntnis sind – oft Jahrzehnte lang zurückliegende – Infektionen mit den beiden gefährlichsten HPV-Typen (HPV 16 und 18) für zumindest 70 Prozent der Krebserkrankunge am Gebärmutterhals verantwortlich. Die meisten der jährlich über 470.000 Fälle treten in Entwicklungsländern auf, wo die medizinische Versorgung schlechter ist als in industrieländern. 60 Prozent der Frauen infizieren sich in den ersten fünf Jahren nach Beginn ihrer sexuellen Aktivität. 80 Prozent aller Frauen machen im Verlauf ihres Lebens mit dem Virus Bekanntschaft, doch 99 Prozent der Infektionen heilen im Lauf der Zeit spontan wieder aus. Bei einer kleinen Minderheit der Infizierten schafft es das Virus aber, das Immunsystem zu überlisten. Sie können Jahrzehnte später an Gebärmutterhalskrebs erkranken und daran sterben.


Erkannt wird eine Infektion heutzutage meist dank eines Zellabstrichs, der zum Früherkennungsprogramm beim Frauenarzt gehört – ein Angebot, das von den über 40-jährigen Frauen allerdings nur die Hälfte wahrnimmt. Für den Pap-Abstrich, benannt nach einem griechischen Arzt Papanicolaou, werden Zellproben aus der Scheide entnommen, die danach in einem Labor unter dem Mikroskop auf Veränderungen untersucht werden. Auffällige Befunde nach einem Pap-Test sind jedoch nicht immer eine Karzinom-Vorstufe. Eine größere Zahl ist falsch-positiv. Bei Hochrisikotypen – das sind Frauen zwischen 35 und 38 sowie 60 bis 64 Jahren – empfiehlt sich ein HPV-DNA-Test, der sensitiver auf Zellveränderungen reagiert. Dieser zusätzliche HPV-Test in der Zervixkarzinomvorsorge ist nach Angaben von Forschern aus Boston zudem sicherer.1 Prof. Dr. Thomas Ifftner, Virologe aus Tübingen, spricht sich fü eine Kombination aus Pap-Abstrich und HPV-Test aus, da dieser „eine deutlich höhere Sicherheit für die Frauen bringt und risikofrei eine Verlängerung der Untersuchungsintervalle erlaubt“.2


Erste Impfung gegen Krebs

Zwei Pharmakonzerne haben parallel einen Impfstoff gegen humane Papillomaviren, die Verursacher von Gebärmutterhalskrebs, entwickelt, der weltweit bereits seit zwölf Jahren getestet wird und im nächsten Jahr auch auf den Markt kommen soll. An der Entwicklung des Impfstoffs waren Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) maßgeblich beteiligt. Bei der Pressekonferenz aus Anlass der Markteinführung des ersten HPV-Impfstoffes berichteten Experten über die aktuelle Entwicklung in der Forschung, die Ergebnisse der klinischen Prüfung des Impfstoffs und die Zielgruppen.

Die Impfung bietet einen hundertprozentigen Schutz vor Infektionen mit HPV 16 und HPV 18 Außerdem gibt es Hinweise, dass der Impfstoff auch gegen weitere nahe verwandte HPVTypen schützt.

Für den Impfstoff wurden Papilloma-Viren aus Krebsgewebe gewonnen, aus denen Wissenschaftler die DNA, das Erbgut, gewinnen konnten. Aus den daraus gebildeten Proteinen haben sie neue Virushüllen zusammengesetzt, die innen leer sind. Äußerlich sehen sie genauso aus wie die gefährlichen Viren, enthalten aber nicht deren Erbinformationen. Sie könne so das Immunsystem anregen, große Mengen Antikörper gegen die Papilloma-Viren zubilden.

Geimpft würden dann vorzugsweise Mädchen zwischen zehn und fünfzehn Jahren, und zwar dreimal im Abstand von einigen Monaten. Dadurch werden für mindestens vier Jahre hohe Antikörpertiter erzielt. Vermutlich sei aber auch nach zehn Jahren noch keine auffrischende Impfung nötig. Darüber hinaus können aber alle Frauen von einer Impfung profitieren, so Professor Dr. med. Lutz Gissman, Leiter der Abteilung Genomveränderungen und Carcinogenese am DKFZ.

Bis der Impfstoff in Deutschland zugelassen wird, bleibt Frauen als Vorsorgemaßnahme der Pap-Abstrich beim Frauenarzt, der von den Krankenkassen für Frauen ab 20 Jahren jährlich bezahlt wird. Zusätzlich zur Früherkennung bieten einige Ärzte den HPV-DNA-Test an, derdas Virus nachweisen kann.

Weitere Informationen unter www.dkfz.de

1 Kim JJ et al., Journal National Cancer Institute 2005 ; 97 :888-895
2 „Doppelt hält besser: Experten raten zu kombinierter Vorsorgeuntersuchung“ in HPV aktuell, Ausgabe
I, November 2005


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