Kindergarten ohne Dach und Wände

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Kategorie: Kinder, Kindergarten und Schule
Dieser Artikel wurde eingestellt von: jb
Erstellung am: 19. August 2009 11:37 - 10680 Hits

kinderimwaldDas Rauschen der Blätter im Ohr, die frische Luft in der Nase und das weiche Moos unter den Füßen. Die Natur mit allen Sinnen erfassen und erleben – das ist eine wunderbare Sache. Und der Wald ist dafür ein perfekter Platz. So zieht es Euch als Familie sicherlich auch oft hinaus in die Natur und in den Wald. Dort lässt sich zu jeder Jahreszeit viel entdecken und besonders Kindern können sich frei entfalten. Ja, warum dann nicht das Kind in einen Natur – bzw. Waldkindergarten schicken.

Foto: RainerSturm / pixelio.de

Klar, Du als Mutter fragst Dich natürlich sofort auch, „Was, mein Kind den ganzen Tag im Wald und das bei Wind und Wetter. Wie soll das gehen?“. Es geht und sogar sehr gut. Interessantes und Wissenswertes rund um den Wald- bzw. Naturkindergarten hat adeba.de für Dich zusammengestellt.

Allgemeines

Die Idee des Waldkindergartens stammt aus Skandinavien. Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren werden dabei in freier Natur betreut. Der erste Waldkindergarten wurde vor ca. 20 Jahren in Dänemark gegründet. In Deutschland entstand der erste Wald- und Naturkindergarten 1968 und seit dem nimmt die Zahl ständig zu. Meist wird so ein Kindergarten von einem eingetragenen Verein betrieben.Das Personal ist dann vom Verein angestellt. Finanziell trägt sich der Kindergarten durch Elternbeiträge, staatliche Zuschüsse und Spenden.

Besonderheiten

Natur- bzw. Waldkindergärten werden oft auch als „Kindergarten ohne Dach und Wände“ bezeichnet. Damit ist auch schon der wesentlichste Unterschied zu üblichen Kindergärten genannt, denn Dein Kind verbringt den gesamten Kindergartenalltag in der freien Natur, also im Wald oder auf der Wiese. Und das bei jedem Wetter. Allerdings hat jeder Naturkindergarten eine beheizbare Unterkunft in unmittelbarer Nähe des Waldgebietes. Das ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben und so können Kinder und Erzieher bei sehr schlechtem Wetter Schutz finden. In der Regel ist so eine Unterkunft in der Form eines Bauwagens oder einer Waldhütte vorhanden. Im Waldkindergarten spielt Dein Kind mit Naturgegenständen, denn konventionelles Spielzeug gibt es in der Regel nicht. Durchschnittlich liegt die Gruppengröße bei 15 bis 20 Kindern, die von mindestens zwei staatlich anerkannten Erziehern betreut werden. Wie in jedem anderen Kindergarten auch, wird Dein Kind im Waldkindergarten gefördert, erzogen und begleitet.

Der tägliche Aufenthalt in der Natur bringt Deinem Kind viele Vorteile. Einige Vorzüge und weitere Hinweise sind zum Beispiel:

Phantasie und Kreativität

Im Wald gibt es kein vorgefertigtes Spielzeug, die Kinder bauen aus dem vorhandenen Material was sie brauchen und aus Stöcken, Eicheln, Moos und Co. entstehen so phantastische Spielwelten. Dadurch werden Kreativität und Phantasie Deines Kindes gefördert. 

Sprachförderung

Je weniger fertiges Spielzeug, desto mehr kommunizieren die Kinder miteinander. So sind Spiele häufig Rollenspiele, bei denen sich die Kinder austauschen und einigen müssen und das wichtigste Spielelement ist dabei die Sprache. 

Bewegungsdrang

Im Wald können sich die Kinder nach Herzenslust austoben und auch mal richtig laut sein. Dein Kind kann seinen natürlichen Bewegungsdrang ausleben, denn der Wald bietet dafür ausreichend Platz, Raum zum Toben, aber auch zum ruhig sein. 

Gesundheit

Klar, jedes Kind hat mal einen Schnupfen und wird krank. Aber der ausgiebige Aufenthalt an der frischen Luft stärkt das Immunsystem Deines Kindes und richtig angezogen, können Wind und Wetter Deinem Nachwuchs nichts anhaben.

Naturkenntnisse

Im Naturkindergarten hat Dein Kind einen intensiven Kontakt zur Natur und erlebt Vorgänge in der Natur enger und bewusster mit. Tiere und Pflanzen lernt das Kind direkt vor Ort kennen und nicht aus einem Buch.

Naturschutz

Wir können nur schützen, was wir kennen und lieben. Im Waldkindergarten macht Dein Kind früh wichtige und positive Erfahrungen mit der Natur und damit mit seiner Umwelt. So entwickelt sich neben dem Bewusstsein für Natur und Naturschutz auch eine wichtige Verantwortung für die Umwelt.

Ausrüstung

Bei Regen und Wind draußen – das geht. Denn schließlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Praktisch und gut ist Begleitung aus dem Trekkingbereich. Mit ordentlichen Bergstiefeln ist Dein Kind dann optimal ausgerüstet für die Zeit in der Natur. Vor Kälte schützt das Zwiebelprinzip, also mehrere Lagen übereinander, und bei Regen werden Gummistiefel angezogen. In einem Rucksack hat jedes Kind so wichtige Sachen wie ein Stück Iso-Matte, Frühstücksdose und Thermosflasche dabei.

Vorbereitung auf die Schule

Auch im Waldkindergarten wird Dein Kind auf die Schule vorbereitet. Und dabei wird der Wald mit allen Möglichkeiten die er bietet genutzt. So lernt Dein Kind das Zählen zum Beispiel mit Steinen oder Tannenzapfen. Feinmotorik wird beim Sammeln von Tannennadeln oder anderer natürlicher Bastelmaterialien geschult. Und beim Klettern und Balancieren auf gefällten Bäumen trainieren Kinder ihren Gleichgewichtssinn, darüber hinaus auch Ausdauer und Kraft. Auch im Bereich des Miteinander werden die Kinder geschult. So lernen sie schnell, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen bei Aufgaben, die einer alleine nicht schaffen kann, wie das Bauen einer Hütte aus Zweigen.

Im Internet findest Du eine Liste über in Deutschland bekannten Natur- und Waldkindergärten. Falls es in Deiner Umgebung keinen Waldkindergarten gibt, dann nutze jede Möglichkeit mit Deinem Nachwuchs ins Freie zu gehen. Auf natürliche und spielerische Weise kann Dein Kind Erfahrungen machen und kommt der Natur so richtig nah.


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