Plädoyer fürs Stillen

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Muttermich - Kraftquelle für die Kleinsten

Stillen ist mehr als nur eine Art der Säuglingsernährung. Es ist eine besondere Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Das Baby möchte Eure Wärme und Zuwendung spüren, Eure Stimme hören und Euch in die Augen schauen. Dafür gibt es keinen schöneren Platz als an Mutters Busen und kaum einen intensiveren Kontakt als beim Stillen. So erfährt Euer Baby hautnah Trost und Zärtlichkeit, Schutz und Geborgenheit. Sicherheiten, die eine wichtige Basis für die innere Ruhe und das wachsende Selbstwertgefühl Eures Kindes sind. Beim engen und sensiblen Miteinander spürt das Baby genau, ob Ihr mit Euren Gedanken und Gefühlen bei ihm seid. Wenn Ihr stillen möchtet, solltet Ihr ebenfalls Eure Freude daran haben.

Muttermilch ist die unkomplizierteste und billigste Nahrung für Euer Kind - nichts braucht eingekauft, weggeräumt oder gereinigt werden. Weiterhin ist Muttermilch keimfrei, immer richtig temperiert und stets verfügbar - das Baby braucht nie warten, wenn es hungrig ist. Die Panik, die ein vor Hunger schreiendes Baby auslöst, bleibt einer stillenden Mutter erspart.

Euer Baby erhält bei jeder Stillmahlzeit ein komplettes Menü, bestehend aus Vorspeise, Hauptspeise und Dessert. Der erste Gang löscht den Durst mit der wässrigen Vordermilch. Der Hauptgang ist reichhaltig und kalorienreich. Durch das stärkere Saugen des Babys setzt der Milchflußreflex die sättigende Hintermilch frei. In der Zwischenzeit mischen sich, während das Baby saugt, in der anderen Brust die flüssige Vordermilch und die sättigende Hintermilch zum Dessert.

Das statistische deutsche Durchschnittsbaby wird 17 Wochen gestillt. Diese Zahl erhob das Bundesgesundheitsamt 1992 (neuere Befragungen sind mir nicht bekannt). Weiterhin sollten in dieser Studie werdende Mütter angeben, ob sie überhaupt stillen wollen. 78 % der Frauen in den alten Bundesländern und 94 % der werdenden Mütter in den neuen Ländern planten eine Stillzeit von mehreren Wochen. Jedoch passen Stillträume und Wirklichkeit oft nicht zusammen: Vier Wochen nach der Geburt des Babys hat etwa ein Drittel der Frauen auf Flaschennahrung umgestellt. Etwa fünf Prozent der Mütter geben das Stillen bereits auf, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werden. 

Vorteile der Muttermilch

Besonders groß sind die Vorteile der Muttermilch in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten des Babys. Muttermilch ist perfekt auf die Bedürfnisse des kleinen Organismus abgestimmt. Die darin enthaltenen Eiweiße und Nährstoffe sind sehr leicht verdaulich. Die mütterlichen unnachahmlichen Abwehrstoffe schützen weiterhin vor Infektionen. Darüber hinaus scheint Muttermilch sogar vor Allergien zu schützen: In den ersten sechs Monaten treten vor allem Nahrungsmittelallergien auf, die durch Fremdeiweiß, wie das der Kuhmilch ausgelöst werden, da in diesem Alter die Darmschleimhaut noch für unverdaute Eiweißstoffe durchlässig ist. Das so in den Organismus gelangte artfremde Eiweiß kann, bei entsprechender Veranlagung, eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen.

Die Kiefernmuskeln eines gestillten Babys werden kräftiger, denn Brusttrinken erfordert 60mal mehr Energie als Flaschentrinken.

Auch Ihr als Mütter profitiert vom Stillen: Es unterstützt die Rückbildung der Gebärmutter und senkt langfristig das Risiko an Brustkrebs zu erkranken.

Einem inneren Zeitplan entsprechend paßt sich die Milchmenge und der Nährstoffgehalt der Muttermilch ständig dem Bedarf und der körperlichen Entwicklung Eures Babys an.   

Formen der Muttermilch

Kolostrum

Die Natur hat die Nahrungsmenge für das neugeborene Baby in seinen ersten beiden Lebenstagen eingeschränkt. Es ist erstaunlich, wie wenig Kolostrum zunächst fließt. Kolostrum ist die sogenannte Vormilch, die ganz besonders auf die Bedürfnisse des Neugeborenen zugeschnitten ist. Ein gesundes Neugeborenes besitzt jedoch bei der Geburt einen Nahrungsvorrat, von dem es mehrere Tage zehren könnte. Außerdem enthält Kolostrum doppelt so viele Kalorien wie die normale Muttermilch. Ihr braucht also keine Bedenken zu haben und auch noch nichts unternehmen, was die Milchbildung anregt. Davon würde nur der Milcheinschuß heftiger.

Kolostrum sieht aus wie dickflüssige goldgelbe Sahne und wird ab dem 5. Schwangerschaftsmonat bis ca. 3-5 Tage nach der Geburt gebildet. Sie enthält halb so viel Zucker, aber doppelt soviel Eiweiß und Mineralstoffe, wie die Milch, die danach kommt. Weiterhin enthält sie eine enorme Menge mehrfach ungesättigter Fettsäuren, die der Gehirnentwicklung zugute kommen. Sie schenkt dem kindlichen Organismus darüberhinaus eine erhebliche Abwehrkraft gegen Krankheiten. Bestimmte Schutzstoffe im Kolostrum bedecken die Magen-Darm-Wände wie ein antiseptischer Film und verringern dadurch die Anfälligkeit für Infektionen und Nahrungsmittelsensibilitäten im späteren Leben.

Übergangsmilch

Am dritten bis fünften Tag nach der Geburt stellt die Brust von Kolostrum auf Milch um. Das kann recht unangenehm vor sich gehen: die Brustdrüsen werden sehr stark angeregt und durchblutet, der Busen wird prall und heiß und häufig "riesengroß".Diese Übergangsmilch ist eine Mischung aus Kolostrum und reifer Muttermilch.

"Reife" Muttermilch

Etwa ab dem 10. Tag bekommt Euer Baby die "reife" Muttermilch, die wässriger und dünner aussieht, aber in ihrer Zusammensetzung einzigartig ist: Mehr als 150 verschiedene Fettsäuren enthält die Muttermilch, künstlich nachgebaut werden können nur ungefähr ein Dutzend davon. Reife Muttermilch enthält 40mal mehr von den Mehrfachzuckerverbindungen als Flaschennahrung. Diese Kohlenhydrate dienen als Nährstoff für die erforderlichen Darmbakterien, verhindern andererseits aber das Wachsen infektionsauslösender Bakterien.