Säuglingskoliken – Gebrüll ohne Ende

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Kategorie: Gesundheit
Dieser Artikel wurde eingestellt von: jb
Erstellung am: 11. November 2009 07:00 - 13242 Hits

baby_schreitAls Mutter siehst Du Dein Baby am liebsten mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht oder friedlich und entspannt im Bettchen schlafen. Dann ist die Welt für Dich und eben auch für Deinen Nachwuchs in Ordnung. Aber besonders in den ersten Lebensmonaten ziehen oft auch dunkle Wolken auf. Dein Baby schreit und windet sich vor Schmerzen. Die Zeit der Säuglingskoliken ist für Dich als Mutter, aber vor allem für Dein Baby eine schmerzhafte und nervenaufreibende Zeit. 

Foto: Erich Kasten / pixelio.de

Während der ersten drei bis fünf Lebensmonate leiden bis zu 20 Prozent aller Säuglinge unter Koliken.

Was sind Säuglingskoliken?

Koliken sind krampfartige und äußerst heftige Schmerzen vorwiegend im Bauchbereich. Die Beschwerden treten meist während der ersten drei Lebensmonate auf. Besonders nach den Mahlzeiten beginnt der Säugling zu schreien und lässt sich dann nur sehr schwer oder gar nicht beruhigen. Oft ist der Bauch des Säuglings auch gebläht.

Ursachen

Dein Baby wächst und gedeiht und trotzdem leidet es immer wieder an Blähungen und versetzt mit den anhaltenden Schreiattaken die ganze Familie in Aufruhr. Dein Kind leidet und Du leidest mit. Die genauen Ursachen für die Säuglingskoliken sind nicht geklärt. Als mögliche Gründe werden genannt:

  • Verstärkte Bewegungen im kindlichen Darm führen zu schmerzhaften Krämpfen. 
  • Eine zu langsame Darmbewegung führt zu einer größeren Ansammlung von Darmgasen, die dann den Darm weiten und dabei zu Schmerzen führen. 
  • Säuglingskoliken werden durch das Essverhalten des Kindes ausgelöst, trinkt das Baby zu schnell bzw. schluckt es dabei zu viel Luft, dann kann es zu den Koliken kommen. 
  • Der Kuhmilch-Konsum der Mutter führt zu Koliken beim Nachwuchs. 

Symptome

Für Säuglingskoliken typische Symptome sind:

  • Die Koliken treten in den ersten zwei bis vier Lebenswochen des Kindes auf und dauern bis ca. zum dritten Lebensmonat an. 
  • Das Kind weint viel, zwei bis drei Stunden am Stück und ist dabei nur schwer oder gar nicht zu beruhigen. Das alles passiert mindestens 1-2 mal am Tag und häufig zu den gleichen Zeiten. 
  • Der Säugling hat Bauchschmerzen und zieht die Beine eng an den Körper und ballt die Hände zusammen. 
  • Das Kind leidet zusätzlich an starken Blähungen und Magenknurren. 
  • Nach dem Stuhlgang bzw. dem Ende von Blähungen beruhigt sich das Kind schnell. 
  • Zwischen den Kolikphasen ist das Kind eher unauffällig. 

Um andere Ursachen für die Beschwerden, insbesondere eine ernsthafte Erkrankungen, auszuschließen, ist es ratsam, wenn Du einen Kinderarzt aufsuchst. Der wird Dein Baby gründlich untersuchen und oft ohne Probleme eine Diagnose stellen.

Therapie

Eine wirkliche (ärztliche / medizinsche) Behandlung gegen Säuglingskoliken gibt es nicht. Aber es gibt zahlreiche Tipps, die auch Deinem Baby Linderung verschaffen können. Probiere da einfach aus, was Deinem Kind hilft.

Beruhigung des Kindes

Ganz wichtig - wenn auch nicht immer leicht - ist, dass Du ruhig bleibst. Deine Unruhe überträgt sich nämlich schnell auf Dein Kind und sorgt für zusätzlichen Stress. Wenn Dein Kind schreit und weint, dann versuche es zu beruhigen. Nimm Deinen Säugling in den Arm, streichle ihn, teilweise können das Wiegen oder leise Singen für Entspannung sorgen.

Manchen Kindern hilft es, wenn sie auf den Bauch gelegt werden und mit der Hand vorsichtig auf den Rücken geklopft wird. Der leichte Druck auf den Bauch sorgt manchmal für eine Linderung der Kolik.

Teilweise empfinden Babys Wärme oder eine leichte Massage als angenehm. Bei der Massage des nackten Babybauches achte darauf, dass Du an den Füßen des Kindes stehst und in leichten Zirkelbewegungen von links nach rechts massierst. So wird der Dickdarm angeregt, Luft kann aus dem Darm entweichen und das Kind wird von den schmerzhaften Blähungen befreit.

Vielen Kindern hilft es auch, wenn sie in einem Baby-Tragetuch sind. Die schüttelnden Bewegungen und die Nähe und Wärme des Menschen tun dem Baby dabei gut.

Was kannst Du beim Füttern beachten?

Beim Stillen bzw. Füttern des Kindes achte auf eine entspannte Atmosphäre und lass Dir und Deinem Baby ausreichend viel Zeit. Sorge dafür, dass Dein Kind nicht zu hastig und schnell trinkt. Dadurch vermeidest Du, dass der Säugling viel Luft schluckt. Auch eine aufrechte Sitzposition beim Füttern kann helfen, dass das Baby öfter aufstößt und weniger Luft schluckt.

Nachdem Dein Kind gefüttert worden ist, muss es unbedingt aufstoßen. Das Aufstoßen ist nach, aber auch während des Fütterns wichtig. Dafür ist manchmal viel Geduld notwendig, bis die Luft entweicht.

Fütterst Du Dein Kind mit der Flasche, dann wähle ein kleineres Saugloch. Zwar braucht Dein Baby länger, um die Flasche zu trinken, aber es schluckt auch nicht so viel Luft.

Bei der Zubereitung der Flasche, achte darauf, dass sich kein Schaum bildet. Schaum solltest Du grundsätzlich nicht füttern. Für manche Babys ist es eine Hilfe, wenn öfters kleine Mahlzeiten gefüttert werden.

Medikamente

Nur in Rücksprache mit dem Kinderarzt solltest Du Medikamente verwenden. Tropfen, die gegen Blähungen helfen sollen, tun dies nur in seltenden Fällen wirklich, enthalten dafür aber oft viel Alkohol und sind deshalb wenig ratsam. Bei gestillten Kindern kannst Du Fenchel-, Anis- oder Kümmeltee trinken, was manchmal für Linderung bei Deinem Kind sorgt.

Tipps beim Stillen

Einige Lebensmittel können verstärkt zu Blähungen beim Baby führen. Allerdings reagieren Kinder da auch sehr unterschiedlich und Du musst herausfinden, was Dein Baby verträgt und was eher nicht. Grundsätzlich meiden solltest Du Zwiebeln, Kohl, Lauch und stark gewürzte Speisen. Teilweise reagieren Kinder auch auf Orangensaft, Äpfel, Schokolade, Tee etc. Am besten lässt Du bestimmte Nahrungsmittel einzeln über einige Tage weg und beobachtest, wie Dein Kind reagiert. Stellt sich keine Besserung ein, sprich leidet das Kind unverändert an Koliken, kannst Du die Nahrungsmittel bedenkenlos weiter zu Dir nehmen. Lassen die Koliken aber nach, dann verzichte Deinem Kind zu liebe erstmal auf die Nahrungsmittel.

In seltenen Fällen leiden Babys unter einer Kuhmilch-Eiweiß-Unverträglichkeit bzw. Allergie. In Rücksprache mit dem Arzt kannst Du auch eine Woche lang auf Kuhmilchprodukte verzichten, achte dann aber auch auf versteckte Kuhmilchprodukte z.B. in Süßspeisen, in Form von Milchpulver oder Molke.

Denk auch an Dich!

Dein Kind schreit vor Schmerzen und Du kannst nicht helfen. Das ist eine enorme Belastung für Dich. Aber denk dran, dass Dein Kind gesund ist und in wenigen Wochen bzw. Monaten die Koliken vergessen sind. Die Koliken haben auch keinen Einfluss auf die Entwicklung Deines Kindes.

Wichtig ist, dass Du in der schwierigen Zeit unbedingt auch auf Dich selber achtest. Du brauchst Auszeiten und Zeiten der Ruhe, wo Du Kraft tanken kannst, um dann wieder für Dein Kind da zu sein. Also, nimm die Hilfe Deines Partners bzw. von Familie und Freunden in Anspruch.

Hole Dir Rat. Greife auf das Wissen und die Erfahrungen von Kinderärzten und Hebammen zurück und frage dort um Rat. Auch in Stillgruppen oder ähnlichen Kreise gibt es oft wertvolle Tipps. Gib nicht auf und probiere weiter aus, was Deinem Nachwuchs hilft.

Weiterführender Link:
  Bücher rund um das Thema Säuglingspflege


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