Endlich: Die Pneumokokkenimpfung für Kinder ist Standard

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Kategorie: Gesundheit
Dieser Artikel wurde eingestellt von: Denis Lichtner
Erstellung am: 19. September 2006 13:37 - 11825 Hits

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DEUTSCHES GRÜNES KREUZ e.V.

(dgk) Seit 1984 gibt es die Pneumokokkenimpfung für Erwachsene und ältere Kinder, die schon Tausende Menschen vor der lebensbedrohlichen Infektionskrankheit bewahrt haben. Im Frühjahr 2001 kam dann in Deutschland ein Impfstoff auf den Markt, der auch schon bei Säuglingen und Kleinkindern wirkt.

Diese neue Impfung wurde bisher in erster Linie bei besonders schutzbedürftigen Kindern mit chronischen Grundkrankheiten oder auch bei Frühgeborenen eingesetzt. Mit dieser Strategie ist die Zahl der Erkrankungen allerdings nicht gesunken, dazu wurde zu wenig geimpft. Man weiß aber, dass generell alle Kinder bis zwei Jahre durch Pneumokokken gefährdet sind. Ihr ansonsten perfekt funktionierendes Immunsystem kann „bekapselte“ Bakterien – zu denen neben Pneumokokken übrigens auch Meningokokken und Hib-Bakterien gehören – ohne Hilfe von außen nicht abwehren. Seit Juli 2006 liegt nun endlich die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) vor, grundsätzlich alle Kinder von 2 bis 24 Monaten vor schweren Pneumokokkeninfektionen zu schützen. Je nach Alter bei Beginn der Impfung sin ein bis vier Injektionen mit dem Konjugatimpfstoff notwendig.


Fast jeder Zweite trägt sie mit sich herum: Pneumokokken lassen sich im Nasenrachenraum nieder. Die Bakterien heften sich mit bestimmten Strukturen ihrer Oberfläche fest auf die Schleimhäute. Das ist zunächst meist harmlos, man wird nicht zwangsläufig krank. Dennoch können die Erreger gefährlich werden, wenn das Immunsystem dieses „Keimträgers“ unter bestimmten Umständen nicht effektiv arbeitet. Gefährdet sind dabei wie schon erwähnt Kinde in den ersten beiden Lebensjahren, aber auch chronisch Kranke und alle Menschen ab 60 Jahre. Pneumokokken verursachen Lungen-, Nasennebenhöhlen- und Mittelohrentzündungen sowie weitere Infektionen wie Bauchfellentzündung oder Arthritis. Stets lebensbedrohlich sind die Meningitis (Hirnhautentzündung) und die Sepsis (Blutvergiftung), die entsteht, wenn sich die Erreger auf dem Blutweg ausgebreitet haben.


Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören Pneumokokkenerkrankungen zu den häufigsten Infektionskrankheiten beim Menschen. Es sterben weltweit über eine Million Kinder unter fünf Jahren an einer durch Pneumokokken verursachten Lungenentzündung. In Deutschland sind es in dieser Altersgruppe pro Jahr etwa 970 invasive – also sehr schwere – Pneumokokkenerkrankungen, dabei sind 680 der Krankheitsfälle durch die im Kinderimpfstoff enthaltenen Varianten verursacht.

Ein Überwachungssystem (Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland, ESPED) hat im Zeitraum von 1997 bis 1998 folgende Daten erfasst: Fast jedes zehnte Kind mit einer Pneumokokken-Meningitis stirbt, etwa 1,2 Prozent durch andere schwere Pneumokokken-Infektionen. Weitere 15 Prozent der Kinder tragen lebenslange Folgen davon: zum Beispiel Hörstörungen (8 Prozent) oder bleibende Schädigungen am Zentralnervensystem (6 Prozent) wie etwa einem Hydrozephalus („Wasserkopf“), Anfallsleiden, Lähmungen und Entwicklungsverzögerung.


Weitere Zahlen untermauern eindrücklich die Wichtigkeit der Pneumokokkenimpfung für Kinder: Kinder unter zwei Jahren sind am häufigsten betroffen, deswegen gilt für sie die Impfempfehlung generell: Statistisch gesehen erkranken bei Säuglingen (1 bis 5 Monate alt) 17,3 von 100.000 Kindern in dieser Altersgruppe, bei 6 bis 11 Monate alten Kindern sind es 29,4
und bei 1-Jährigen 16,3 pro 100.000 Kinder in diesem Alter. Dabei erleiden bei unter 2- Jährigen 7,6 Kinder pro 100.000 der Altersgruppe eine Pneumokokken-Meningitis, bei 2- bis 4-Jährigen sind es auch noch 1,8 von 100.000 Kindern. In Zukunft wird eine Vielzahl dieser schweren Erkrankungen bei Kindern nicht mehr auftreten, wenn die STIKO-Empfehlung breit umgesetzt und alle Kinder geimpft werden.


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